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.heithabyr.haddeby.haithabu.

 

 

im märz diesen jahres wurde die dauerausstellung im wikingermuseum haithabu bei schleswig neueröffnet. die alte ausstellung, die seit der eröffnung 1985 fast unverändert zu sehen war, wurde komplett runderneuert und das innere wabenförmigen gebäude umgestaltet.

     letzten samstag hatte ich nun endlich gelegenheit, mir die neue ausstellung anzusehen und ich bin vom modernisierten austellungskonzept wirklich begeistert. im gegensatz zur alten ausstellung, die eine unheimliche fülle von funden zeigte und damit recht überladen wirkte, wurden die exponate deutlich reduziert. das museum ist nun pro „wabe“ thematisch organisiert und in form von themeninseln gestaltet, die einen rundgang durch jeden einzelnen raum bilden. der wegführung läßt sich leicht folgen, obwohl nichts ausgeschildert ist, lediglich kleine nummern geben hinweise. man kann aber auch problemlos jede themeninsel für sich betrachten, ohne sich am rundweg zu orientieren. insgesamt wurde großer wert auf die auswahl und aussagekraft der exponate gelegt, qualität statt quantität. bei aller technischen erneuerung und mancher spielerei stehen weiterhin die fundstücke stets im vordergrund und kommen in den neuen vitrinen auch dank geschickter beleuchtung gut zur geltung.

     raum eins dient als thematische einführung und enthält informationen zur stadtgeschichte von der entstehung haithabus bis zu seiner zerstörung mitte des 12. jahrhunderts; sowie informationen über den auf- und ausbau des dannewerks, in dessen wallanlagen haithabu eingegliedert wurde. hier werden noch wenige fundstücke gezeigt, es kommen vor allem karten und rekonstruktionen der dannewerk bauphasen zum einsatz. besonderer mittelpunkt des raumes ist eine beamerkonstruktion mit einer miniatur der stadt. die miniatur befindet sich auf dem boden, darüber der beamer, der zeitgleich zu kurzen texten die jeweils dazu passenden stadtteile der miniatur beleuchtet. so bekommt man einen extrem kompakten und anschaulichen kurzüberblick über aufstieg und fall der stadt sowie ihre unterschiedlichen bauphasen und ausdehnungen.

     die zweite wabe enthält den themenkomplex alltagswelt und ist passend dazu mit holzelementen gestaltet. der besucher bewegt sich entlang von „wegen,“ deren böden aus holzplanken bestehen und an die befestigten wege haithabus erinnern. (knüppelwege)
hier, wie in der gesamten ausstellung, sind die texte kurz, prägnant und informativ, sodaß beim lesen selten „ermüdung“ aufkommt. insgesamt gibt es deutlich mehr exponate als im ersten raum, diese sind im gegensatz zur alten ausstellung stets in engere sinnzusammenhänge eingeordnet, z.B. ihre herstellung, ihre bedeutung für den handel usw. anhand von ausgewählten fundstücken und wandbildern sowie einem film werden die verschiedenen in haithabu professionell ausgeübten handwerke und gezeigt; man sieht wie glasperlen entstehen, alltagsgegenstände aus knochen und holz hergestellt werden etc. besonders informativ fand ich den kurzen film über die herstellung von schmuck mittels gußtechnik, ein hinweis darauf, daß in haithabu das handwerk auf einer besonders professionellen ebene ausgeübt wurde.

     im dritten ausstellungsraum geht es um haithabu als frühmittelalterliches machtzentrum. in diesem zusammenhang werden zum einen die in und um die stadt gefunden runensteine ausgestellt und zum anderen die verschiedenen grabfunde erläutert.
die texte der runensteine wurden an einem bespielstein besonders technisch aufbereitet. vor dem exponat wird abwechselnd der text in der übersetzung mittels beamer auf den boden geworfen bzw. die entsprechende runen konstellation angeleuchtet und dabei der text auf altnordisch vorgelesen, sodaß man zugleich ein gefühl für die sprache bekommt als auch für die schriftsprache.
bei den gräberfunden stehen das reichste geborgene kammergrab einer wikingerin sowie das kammergrab zweier gefolgsleute und eines hohen adeligen im mittelpunkt. die exponate des frauengrabes sind zusätzlich um eine miniatur der grabkammer ergänzt wie sie zur zeit der bestattung unmittelbar ausgesehen haben könnte.
an der einen wandseite sind zusätzlich exponate aus weiteren gräbern ausgestellt. pro kleiner vitrine sind die fundstücke immer im grabzusammenhang gezeigt. an der gegenüberliegenden wand werden christliche und nordische religiöse symbole erläutert sowie Hintergrund informationen zur christlichen missionierung in skandinavien und den dazugehörigen machtkämpfen gegeben.

     wabe 4 ist dem thema fernhandel und handelsbeziehungen gewidmet. hier sticht besonders das außergewöhnliche raumdesign und die ansprechende aufbereitung der ausstellungskonzeption hervor. in einem rundgang durch den raum sind die wichtigsten fernhandelsziele geografisch geordnet dargestellt, bebildert und führen den besucher einmal im kreis von byzanz über kiew, birka, dublin und rom nach aachen und köln. in einem zweiten, inneren ring, sind exponate zu den in den regionen gehandelten waren ausgestellt, sodaß der besucher stets rechts von sich die handelsstadt und links von sich die zugehörigen exponate/waren vor augen hat. ganz im inneren des raumes schließlich sind im innersten ring verschiedenste münzen ausgestellt, die zum zahlungsverkehr genutzt wurden. unter anderem ist dort auch frühmittelalterliches falschgeld zu sehen.

    der letzte austellungsraum beherbergt schließlich, ganz wie in der alten ausstellung, den schiffsfund und bietet durch das große panoramafenster einen blick of das noor. zusätzlich zur erklärung des schiffsfundes und den verschiedenen schiffstypen sowie bauweisen wurden hier als optischer blickfang bildschirme entlang der linken wandseite installiert. dort werden in kurzen filmsequenzen typische hafenszenen gezeigt so wie sie im wikingischen haithabu hätten aussehen können. dazu wurde entsprechendes filmmaterial bei den rekonstruierten wikingerhäusern (rekonstruierte wikingerhäuser in der nähe des museums können ebenfalls besucht werden) und am steg des ehemaligen hafens mit personen aus der living history/reenactment szene gedreht. dabei wurde sehr auf detailtreue und historische genauigkeit geachtet. die filmsequenzen beleben den ausstellungsraum und vermitteln ein lebendiges, bewegtes bild dessen, was die funde erahnen lassen.

     insgesamt betrachtet bietet die neue dauerausstellung aesthetisch ansprechend und historisch fundiert aufbereitete informationen an. obwohl exponate entfernt wurden, stehen immer noch die fundstücke im mittelpunkt und erzählen in verbindung mit ihrer medialen aufbereitung das, was uns die ausgrabungen in schleswig und andernortes über die wikingerzeitliche siedlung haithabu vermitteln können. einziger wermuthstropfen ist die tatsache, daß aus der ausstellung alle schuh- und textilfunde entfernt wurden. zum ausgleich wurden jedoch in die ausstellung lebensgroße fotos von darstellern in wikingerzeitlicher tracht eigearbeitet, die einen guten eindruck vermitteln wie kleidung damals ausgesehen haben könnte.


wer nun selbst einen besuch der ausstellung planen möchte, findet alle nötigen informationen hier: http://www.schloss-gottorf.de/wmh/index.php

 

passend zur ausstellung gibt es einen neuen sehr empfehlenswerten ausstellungskatalog:

Maixner, Birgit: Haithabu – Fernhandelszentrum zwischen den Welten (14,80)

zu beziehen unter:

http://www.schloss-gottorf.de/wmh/publikationen.php

oder im Museumsshop

 

23.7.10 20:46
 


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